Ein Rückblick auf Eckernförde
Eckernförde Montagmorgen den 8-8-2011 5.30 Uhr
Boje 3 Steuerbord, Binnenhafen Eckernförde
Wilhelm ist Fischer, ein echtes Ecker Original. Im Binnenhafen von Eckernförde verkauft Wilhelm aus seiner Nußschale heraus die Ausbeute von seiner morgentlichen Tour. Wilhelm habe ich vor 2 Wochen auf den Classics kennengelernt, das lief wie folgt ab;
Vor meiner Bude steht ein Mann: Schippermütze, wie ein Feuerschiff leuchtende, knallrote Nase, +/- 1,55 m klein. Er guckt sich meinn Geschäft an, guckt sich mich an und sagt : Das ist doch alles nicht arisch. Ich gucke nach unten, sage zu Ihm: Was willst du eigentlich, du Untertür, du bist selber nicht arisch. Ein echter Arier ist blond, hat blaue Augen und ist wenigstens 1,80 m gross.
Wilhelm ist kein Nazi, Wilhelm ist hier zuhause und Wilhelm will wissen : Wer treibt sich hier in meinen Hafen rum. Schockieren ist nach Meinung von Wilhelm der beste und schnellste Weg hierhin.
Die Fronten sind geklärt, also mögen wir uns, er kauft für € 5,- gesalzenes Lakritz.
Hafen ist derb: Steuerbord ist Steuerbord, Bakbord ist Bakbord und in die Mitte ist gradeaus. Wenn man dies verwechselt, dann knallt es und läuft das Schiff auf Grund.
So kenne ich das von Wismar, von Vera Cruz, von Bangkok und von Flensburg.
Eckernförde ist ein wunderbarer Ort; vielfaltig, einmalig! Der Hafen, die historische Altstadt und der Strand, alles in einem Rundlauf.
An der anderen Seite der Bucht, über die Holzbrücke erreichbar, das schöne Borby mit seiner Uferpromenade zum flanieren, den Jachthafen, Marinehafen und wenn es noch nicht genügt; der Wald.
Alles in Laufabstand: Einmalig auf dieser Erde.
Aussergewöhnlich für einen Badeort, überall stillvolle, üppig bepflanzte Blumenbeete: Wunderschön.
Eckernförde hat für jede Art von Besuchern etwas zu bieten, ob man es mondän mag oder derb, ob ruhig oder lebendig. Mir imponiert diese Vielfalt, von allem etwas, im Wechsel.
Am wohlsten fühl ich mich aber im Hafen, da gehören solche Leute wie ich halt hin.
Nun sitz ich hier hinter meinem Geschäft an der Holzbrücke, das Piratenspektakel ist vorbei, heute wird abgebaut.
Was haben wir hier in Ecke eine Menge netter Menschen kennengelernt: Wilhelm, Johan, Andreas und Annette, Egbert und seine Frau. Bernd, diesen lieben, inteligenten Menschen, der mich echt gerührt hat mit so ner ganz kleinen Geste, das Berliner Pärchen mit ihren Kindern, die meine Tochter mitnahmen aus dem Stress der Veranstaltung heraus, ohne das wir uns überhaupt kannten, ganz einfach so. Solche Menschen machen es uns Reisenden schwer, wieder weiter zu ziehen.
Viele Stammkunden die mich besucht haben, aus Münster, Bruchhausen, Bonn, Erfurt. Erstaunt standen sie vor meinem Geschäft: Unser holländischer Bonbonverkäufer, hier in Eckernförde.
Ein Arschloch haben wir auch kennen gelernt. Ein echtes Arschloch !!!!
Es war so ein großes Arschloch, dass die ganzen netten Menschen für 3 Tage hier drin versunken waren. Hatte ich ne Wut im Bauch, 3 Tage habe ich gebraucht, wieder normal zu reagieren. 3 Tage habe ich gebraucht, um wieder mit gewohnter Freude bei der Arbeit zu sein, um die Schönheit von diesem Ort wieder zu sehen. 3 Tage brauchte es, um diese vielen, netten und interesanten Menschen wieder zu bemerken, meine Reisefreude wieder meinen Kunden übermitteln zu können.
Aber jetzt, Montagmorgen 5.30 Uhr, gucke ich an Boje 3 Steuerbord vorbei aufs weite Meer hinaus. Ich könnte mit Andreas und Annette auf dessen Stahlketsch " Tu Solo Tu " aufs Meer hinaus gehen, nach Progresso Mexico fahren, mit Remco, meinem alten Weggefährten, im Buddy,s frühstücken, oder nach Key West, im Sloppy Joe Party zu gutem Blues machen, oder nach O und Bernie auf Ko Chang Wracktauchen und die ganze Nacht Mehkong Coke trinken. Von hier aus geht´s überal hin, nach Honolulu oder Stockholm, nach Casablanca,Tokyo oder Heligenhafen. Dies hier, dies ist ein Tor zur Welt, auch wenn es nur ein Türspalt ist.
Solche Momente wie jetzt um 5.30 Uhr im Hafen, die sparen mir den Psychiater.
Jeder Hafen hat sein Arschloch, mal groß, mal klein, Freibeuter wie ich, die sind selten geworden, nicht mehr modern, wie Wilhelm und Johan im Binnenhafen von Eckernförde.
Ach, es ist doch alles halb so wild, die Welt ist groß genug. Und wenn ein Arschloch zumacht gibt es immer noch das Gehirn, das über Ihm steht, um Ihn wieder aufmachen zu lassen. Schade ist es trotzdem, das Gehirn hat viel zu tun, es braucht seine Energie, zum Beispiel, um den Beinen zu sagen, wo es langgehen soll.
Ob ich mein Geschäft hier in Eckernförde noch mal aufbaue, dass weiß ich nicht, dass ist auch nebensächlich, auch für uns, wir führen ein reisendes Geschäft. Aber diese schöne Stadt mit diesen netten Menschen, die werde ich bestimmt noch mal besuchen; ob so oder so.
Schöne Grüße Ecke, behalte ein bisschen von dem, was eure Vorfahren euch vererbt haben. Lass keine Arschlöcher über kleine Existenzen entscheiden, dass habt Ihr nicht nötig. So finanziert man sich keine Städtewerbung, dass passt nicht zu dem Niveau eurer schönen Stadt. Die schöne alte Zeit, wo man noch als Stadt Piraten anmietete, wenn die Stadtkasse leer war, diese Piraten Handelsleute ausrauben lies um damit die Kasse wieder aufzufüllen, diese Zeit ist längst vorbei. Heutzutage geht man ziviliesierter vor, man begegnet sich als Geschäftspartner, auf gleicher Augenhöhe. Und man schafft zusammen ein Piratenspektakel, im Hafen von Eckernförde, und nicht in Städtische Betriebe .
Vergesse nicht : Wir kleine Leute sind es, die den direkten Kontakt zu euren Gästen haben. Wir sind es, genau wie eure Blumenbeete,die eine bleibende Erinnerrung schaffen.
Für eure Gäste sind wir Eckernförde.
Hasta Luego : Dick
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