Wenn man 30 Jahre als Reisender sein Geld verdient,...
... entwickelt man so seine Eigenheiten. Eine von diese Macken bei mir ist, wenn ich aufgebaut habe, mein Geschäft sozusagen bereit steht, mir einen schönen alten Baum zu suchen und mir da dann erstmal drunter zu setzen. Eine Zigarette drehen, „mit de Ruhe". Vielleicht seh ich noch 'ne schöne Frau. Und wenn nicht habe ich noch die Baumkrone - weitaus interessanter. Denn schöne Frauen gibt es ja während der Veranstaltung genug zu sehen. Ich glaube sogar in Weimar ein paar mehr als sonstwo.
Ist ja auch Herbst, die verpacken sich ja gerad wieder ein bisschen, die werden wieder ein bisschen dezenter, aber wenn auch nur ein paar Sonnenstrahlen durchbrechen, geben die hier noch ein richtiges Abschiedskonzert. Dann ist das auch wieder interessant, mann wird sozusagen nicht mehr damit überfordert, aber so die letzte Sonnentage vielleicht.
Aber zurück zum Baume, da habe ich wat mit, klar die sind lästig beim Aufbau. Aber im Sommer doch schön wenn man unter denen steht, auch für die Kasse. Aber ich hab da noch mehr mit, ich find se schön, imposant, interessant. Das ganze Leben wat sich da oben abspielt. In Weimar hat man nun auch an echt schöne Baüme mehr als sonstwo, Deswegen setz ich mich, wenn mein Geschäft geschäftsbereit ist, immer im Goethepark an sein Gartenhaus, mich persönlich imponieren seine Bäume mehr als seine literarischen Schaffenswerke.
Manchmal, vorallerdingen wenn mann schön kaputt ist - paar Stunden schleppen, paar Stunden Auto fahren, immer einbisschen Stress dabei, die Nacht nicht geschlafen -
...dann fällt man halt womal in tiefe Gedanken, zu selten schreibe ich se auf:
Unter Goethes Baum gesessen
Als ich bei Goethes Gartenhaus unterm Kastanienbaum saß,und ich von oben auf den Goethepark schaute, sah ich viele Bäume die ich kannte, teilweise bei mir am Winterlager angepflanzt hatte. Als ich feststellte dass mein Geschmack an natürlicher Schönheit überraschender Weise mit dem eines so großen Denkers übereinstimmt, habe ich mir überlegt was ihn dann wohl zu einem so großen Mensch, Literat, Botaniker u.s.w. gemacht hat. Was hatte er mehr als wir, was hatte er mehr als ich? Was hat ihn zu dem gemacht was er war.
Als ich vor mich her träumte, viel mir aus seinem Baum eine Kastanie auf dem Kopf. Wenn das seine Antwort war - was wollte er mir damit sagen?
Fehlt es mir an Köpfchen? Oder fehlt mir ein Kastanienbaum. Aber nein; es ist Herbst. Aber Fakt ist auch: Ein Mensch der Baüme pflanzt wovon er weiß das er diese nie in einem ausgewachsenen Zustand betrachten kann, der hat Weitsicht, der denkt weiter als morgen, heute oder nächstes Jahr.
Der Mensch ist ein Gönner, für seine Kinder, Enkelkinder und Urenkel - und für mich, weil heute sitz ich hier, genieße diesen Baum, genieße diese Ruhe. 200 Meter vom Zwiebelmarkt entfernnt, wo mann bezahlen muss für Goethes Werke.
Diese Stunde ist unbezahlbar und trotzdem umsonst. Was ist dann wohl wichtiger, seine Werke, seine Bäume?
Die Kastanie hab ich mitgenommen, zu Hause pflanze ich sie ein. Hat er wurzeln wo meine schon lange weg sind. Und vielleicht in vielen Jahren im nächstes Jahrtausend sitzt jemand unter diesem Baum...
...ihm fällt eine Kastanie auf dem Kopf.
na ja ich bin nicht Goethe, ik kom uut Musselknoal.
Besuchen Sie mich in Weimar auf dem Zwiebelmarkt:
Jedes Jahr am zweites Oktober-Wochenende.
Bild: Ansichtkarte Goethes Gartenhaus ; Goethe Zeitportal
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