Rütenbrocker Kirmes - Arsch voll Toll

Ein mal im Jahr baue ich mein Geschäft da auf wo ich gemeldet bin, wo ich seit über 25 Jahre wohne.
In Rütenbrock, Haren - Rütenbrock, die einzigste kleine Dorfkirmes die ich noch bereise.
Kasse? Geld verdienen? Ach erwarte ich eigentlich nicht. Paar hunderd Euro vielleicht, wenn das Wetter mitspielt.

Man trifft seine Mitbürger, ich kenne die meiste Rütenbrocker, oder se kennen mich.
Es kommen Holländer aus dem nahen Grenzbereich, aus Ter Apel, Emmercompascuum und aus Musselkanaal,
15 km von hier, wo ich geboren bin.
Hier treffe ich Leute wo ich mit zur Schule war, Ex-Liebhaberinnen, alte und neue Nachbarn

aber größtenteils treffe ich hier besoffene, von beiden Nationalitäten.

Um ehrlich zu sein: Rütenbrocker Kirmes ist ein Saustall.

Die Attraktion am Samstag ist: Alle offene Getränke € 1,- (Schnapps Cola, Weinbrand Cola, Bier) - Wasser kostet € 1,30. Dementsprechend sind alle Gäste arschvoll.


Die Holländer die hier hinkommen, kommen nur hin weil man sich nirgends in Holland
so billig vollaufen lassen kann wie hier in Rütenbrock.
Man hat hier auch
eine Erklärung für, man ist hier in Rütenbrock halt ein bischen rückständig,
deswegen sind auch die Frauen etwas williger wenn se so einen modernen Holländer sehen.

Vor einer von unseren Dorfkneipen steht ein Imbiss, das Abwasserrohr endet exact
vor dem Eingang von diesem noblem Lokal.
An der Theke schläft einer von unseren Dorfalkoholikern,
in Saal und Kneipe stehen mehrere Gäste und saufen sich den Hals voll,
dazwischen natürlich auch ein paar Kinder von 14, 15, 16 Jahren mit mal einem Bier oder einem Schnaps Cola,
schließlich muss die Jugend rechtzeitig in die Dorfkultur eingeweiht werden.
Auf der Toilette braucht man keine Seife, die ist nicht vorhanden.
Ein Baumwollhandtuch hat im laufe des Tages ein sehr originelles Muster angenommen.
Man macht sich in Rütenbrock keine Sorgen über Schweinegrippe, Furunkel und Eiterpickel sind hier eher ein Problem!

Draußen auf der Hauptstraße ein ähnliches Bild.

Weil oben genannter Wirt sehr beispielhaft für unsere Dorfkultur ist,
hat die Stadt Haren Ihm hier noch die Konzession gegeben für zwei weitere Bierbuden.
Drei weitere Bierbuden (einheimische Wirte) ein zweiter Saal wie eine zweite Kneipe versorgen die übriggebliebenen Durstigen. Wegen dem übermäßigem Alkoholkonsum hat man diesen Wirten auch  Platz
für genügend Sitzplätze draußen auf der Straße genehmigt.
Pfand für Gläser wird nicht erhoben. Die Straße liegt voll mit 5 cm Glasscherben.

In jede dunkle Ecke wird hingepisst und gekotzt.
Der Toilettenwagen steht in einer Seitenstraße. Niemand nutzt diesen. Sogar neben und hinter dem Wagen wird gepisst.
Man nimmt sich nicht die Mühe reinzugehen. Man will schnell zurück zu seinem Schnaps Cola.
Schade eigentlich, er ist nicht gebührenpflichtig.
Es besteht allerdings die Möglichkeit eine freiwillige Spende zu hinterlassen.
Auch Seife und Handtücher sind hier vorhanden!
Die Toilettendame ist eine von den gepflegtesten Damen vom Platz und hält Ihren Wagen sauber.

Mein Verkaufsgeschäft hier zu betreiben ist eigentlich unmöglich.
Man muß sich halbstündlich mit besoffenen, sich der Atmosphäre angepassten Leute, rumquälen;
die mit Ihren ungewaschenen, dreckigen Pfoten in die Ware reingreifen wollen.

Wenn mann bestimmte Geschäfte zulässt hat mann auch ein bestimmtes Publikum.

Um die Originalität des Platzes zu bewahren, lässt der Rat der Stadt Haren keinen Reiseausschank zu.
Mir persönlich fehlt dies sehr.
Ich bin jedes Wochenende auf Kirmesplätze in ganz Deutschland und trinke dort
lieber mal ein gepflegtes Bier oder einen Jim Beam Cola. 
Irgendwie traue ich dem Gläser spülen da mehr.
Ich muss an meinem Geschäft stehen, kann mir keinen Dünnpfiff erlauben.
Solche Geschäfte werden wöchentlich von der Lebensmittelaufsicht aufs neue kontrolliert und werden
zu gemacht wenn die Hygiene nicht stimmt.

Ich frage mich auch ob die Stadt Haren nicht die Gesetze über öffentlich ausgeschriebene Kirmesplätze kennt.
Ist hier noch nie per Gericht vorgegangen worden?
Weiß man nicht das auf einer öffentlich ausgeschriebener Kirmes ein jeder das gleiche Recht hat?
Kennt man nicht diverse Gerichtsurteile, die Atraktivität als erstes Zulassungskriterium bestätigt haben?
Interessiert es die nicht? Wissen sie es nicht?
Vielleicht gehören sie zu den gepflegteren Leuten die so einen Platz nicht besuchen!

Abends um  23 Uhr wird Fredy Weltes Breakdancer 1 Stunde lahmgelegt von einer
großen Gruppe einheimischer, besoffener Kinder und Jugendliche.
Die behaupten, das ein Angestellter ein Mädchen angefasst hat.
(Samstag Abend 23 Uhr mitten auf dem Breaker im Vollbetrieb
wo der Mann 30 Sekunden hat die Fahrchips einzusammeln bevor die Fahrt weitergeht).
Der Mann wird krankenhausreif geschlagen.
Fredy wird beschimpft als alter Zigeuner; das er sich beleidigt fühlt versteh ich eigentlich nicht,
hier unter diesen Leuten hätte ich dies als ein großes Kompliment aufgefasst.
An dessen Wohnwagen gehts die ganze Nacht rund!
Den nächsten Morgen treffe ich seine Schwiegertochter; Ränder unter den Augen! Sie hat die ganze Nacht nicht geschlafen.

Die Weltes haben 2 Kleinkinder bei sich: Sie hatte Angst!
Dabei arbeitet Sie 12 Stunden am Tag in Ihrer Creperie.
In dieser agressiven, verdreckten Atmosphäre.

Vernünftige Leute sieht man am Samstag nicht auf dem Platz.
Wirklich, Rütenbrock hat sie, nicht weniger als sonstwo, ich kenn se, aber die bleiben heute zu Hause; 
Recht haben sie!

SONNTAG
Jetzt sieht man diese normalen Leuten aus Rütenbrock.
Es ist Krammarkt, es werden auch mal Kinder in Hansen und Kranz Ihr Karussel gesetzt.
Es fährt der eine oder andere Elternteil Autoscooter mit dem Kind. Ein recht angenehmes arbeiten.
Auch bei mir wird was verkauft. Und jetzt treffe ich auch die alten Bekannten für die ich eigentlich hier bin.

Um 19 Uhr ist alles vorbei! Die bekannteste Bierbude vom Platz fängt das Programm an.
Das Programm ist abgestimmt auf die Holländer die sich vollaufen lassen wollen.

Nasir (der einzigste Händler von Platz) rennt aufgebracht an mir vorbei;
bei Ihm hat man einen kompletten Ständer mit Ledergürtel geklaut. Er muß hinterher.
Ich passe schnell auf seinen Stand auf.
Er kommt zurück, hat den Ständer wieder. Mußte sich auch noch mit den Leuten anlegen.
Letztes Jahr wollte eine Meute beim rausfahren seinen PKW umkippen; mit Ihm drin! Hatte bald geklappt!

Ich gehe zurück an mein Geschäft. Ein holländisches besoffenes Mädel läuft auf meine Bude zu, greift rein.
Ich schreie: Finger raus. Interessiert Sie nicht. Sie grinst mich frech an. Was willst Du denn machen? (Bin doch ne Frau).
Bei mir ist der Eimer voll!
Ich gebe Ihr einen Tritt in den Arsch! Sie dreht sich um; schreit, läuft wutentbrannt auf mich zu.
Bevor ich mit meinen 50 Jahren mit so einem abgefülltem Gerät auf der Staße lande, geb ich Ihr eine Ohrfeige.
Sie schreit rum, bewirft mich mit Ihrem  Getränk.
10 Minuten später habe ich eine Gruppe von 4,5 jungen holländischen Männern vor mir stehen.
5 Ritter auf weißen Pferden die diese Frau ?? retten wollen. Agressiv! Schlägst Du Frauen?
Ich werde massiv bedroht.
Meine Frau sagt: "Nächstes mal mache ich das und ich schlage richtig!"

MONTAG MORGEN

Ich komme an mein Geschäft; der ganze Verkaufswagen klebt. Ich habe eine Beule im Lack.
Meine Kollegin vom Kinderkarussel kommt aufgebracht bei mir an: "
Wir haben erst mal putzen müssen; alles war voll mit Senf beschmiert."
Ich stehe vor mein Geschäft und flachse rum mit ein paar einheimische Jungs.
Ein einheimischer Wirt läuft vorbei.
Ich sage: "Hee ..... hier stehen noch ein paar Kinder die Du abfüllen kannst !" Kannste bestimmt noch 10 € dran verdienen!
Er grinst nur.
Mir ist nicht zum grinsen
, war ernst gemeint!

Ich habe mir vorgenommen, wenn einer sich nicht benehmen kann, Ihn an Ort und Stelle zu erziehen.
Der Erste den es trifft ist ein Mann von der Schwartenberger Straße, wo auch ich wohne.
Er greift in meine Ware rein. Ich habe Ihn mal gegrüßt, er glaubt wohl, er darf das jetzt.
Er ist ein paar Jahre älter als ich, da hat man nicht mehr so viel Zeit zum umerziehen,
also geb ich Ihm eine Ohrfeige
(Leichtes Streicheln , diese Geste genügte, war er nicht gewohnt, hat sein Papa wohl einen Fehler gemacht).

Rita, vom Dorfkiosk nebenan, bringt mir einen Kaffee.
Sie erzählt mir, Sie hat gerade erst ein mal putzen müssen, weil ein 14 jähriges, besoffenes Mädel Ihr vor die Bude gekotzt hat!
Ein 15 jähriger vernünftiger Junge aus der Umgebung von Rütenbrock stellt sich zu mir. Erzählt mir:
Mein früherer Klassenlehrer steht da vorne an der Bierbude, arschvoll, der kann nichts mehr.
Ein anderer arbeitender, zugezogener Rütenbrocker kommt an, sagt: "
Ich habe noch nie so viel besoffene Weiber gesehen wie da vorne, und die sitzen alle bei andern Männern auf dem Knie."

Abends ist Feuerwerk. Nach dem Feuerwerk dürfen wir endlich abbauen!!
Der Wirt vorne macht knalllaute Musik, bis weit  nach 24 Uhr, komplette Narrenfreiheit.
Wohnen hier keine Leute die morgen früh arbeiten müssen?
Durch das Mikro wird gerufen: "Super happy hour! Alle Coktails 1,50 €."

Ich fahre mit meiner Frau nach Hause, ich baue morgen ab.
Ich will hier weg, habe die Schnauze gestrichen voll, fühle mich dreckig.
Alles dies nur damit drei Wirte sich Ihr Häuschen bauen können.
Kein normaler Mensch
kann hier noch was positives drin finden.
Warum gibt die Stadt ein paar Wirten so eine Narrenfreiheit?

Mein Entschluss steht fest: Ich bin Reisender, ich danke Gott dafür.
Ich baue nächstes Jahr in Rütenbrock nicht mehr auf.
Es gibt viele schöne Volksfeste mit Stil in Deutschland wo man Kirmes als Kulturgut sieht!
Wo man mit Kirmes Städttewerbung macht, wo man Polizei auf dem Platz sieht.
Wo die Polizei um 22 Uhr Kinder vom Platz holt und diese zu Ihren Eltern bringt, wo Sie um diese Zeit hingehören.
Und ich überlege es mir noch einmal, ob ich meine Tochter hier in der Schule anmelde.
Sie ist jetzt 5, dieses Wochenende hatte ich Sie bei Oma versteckt.

Übermorgen fahren wir nach Bruchhausen-Vilsen, da erwarten wir 400.000 Besucher (Rütenbrock hat keine 6.000)
und dennoch ist meine Tochter auf dieser Veranstaltung besser aufgehoben.
Klar in Bruchhausen wird auch kräftig einen getrunken aber halt nicht nur,
es ist Polizei auf dem Platz, und Kinder werden ins Bett gebracht.
Das ist halt ein Volksfest, und kein Wirtefest, dieses Fest hat für die gesamte Bevölkerung etwas zu bieten.

Dienstag morgen 7 Uhr, ich werde wach, meine Tochter schnarcht, ich bin schweißgebadet, es war ein Alptraum;
der Alptraum des Reisenden, mein Gott denke ich , wenn es nächstes Jahr wirklich so wird.
Vorsichtshalber werde ich mal mit dem Marktmeister von Crange telefonieren, man weiß ja nie.

Hochachtungsvoll : Dick

Und hier geht's weiter mit: Rütenbrocker Kirmes - Arsch voll Toll Teil 2

In meinem Gästebuch findet ihr diverse Beiträge von Rütenbrockern und auswärtigen Besuchern unserer Kirmes.